Christoph's Saison 2009
Ein Sommer wie aus dem Bilderbuch
Anfang dieses Jahres verging so gut wie kein Tag, an dem ich nicht sehnsüchtig auf den Briefträger gewartet habe. Der Mann in gelb sollte mir doch endlich meine neuen Matadors bringen! Nachdem ich 2008 bereits den Prototypen hatte und mehr als begeistert war konnte ich es nicht abwarten endlich das Endmodell am Fuß zu haben.
Im Mai war es dann endlich soweit, der neue Schuh war da, das Wetter passte auch also ab raus an den Fels. Dieses Jahr wollte ich mich verstärkt an die Top 100 der Pfalz machen und möglichst viele Felsen besuchen, die ich noch nicht kannte. Das einzelstellige Klettern und der Sandstein in der Pfalz liegen mir, deswegen machte ich mir ein wenig Hoffnung doch die ein oder andere schwere Tour abhaken zu können.
Mit Sisyphe 8a+ in Berdorf konnte ich gleich zu Anfang des Jahres eines meiner Projekte abhaken, kurze Zeit später gelangen mir dann noch Sisyphe a droite 8a, Jactatio 8a und Foxy Lady 8a+. Der Start in die Klettersaison 2009 war also gemacht! Ab Juni wurde dann die Pfalz belagert. Da es zum Teil fast unerträglich heiß war, mussten also die Schattenfelsen der Region aufgesucht werden. Unsere Wahl fiel auf den Buchholzfels, der Zustieg ist zwar länger aber dafür hat der Fels einige der besten Dachtouren der Pfalz zu bieten. Nach insgesamt zweimal hoch laufen in brütender Hitze konnte ich in meinem Führer hinter die Touren Dumm Geloff direkt 7c, B10 7c+/8a, Das Geschenk 7c+ und Kreuzzug ins Glück 8a+ einen Haken machen. B10 bietet übrigens mit die besten Dachzüge, die ich jemals in der Pfalz gemacht habe. Ich kann jedem nur empfehlen auch mal an diesem Fels vorbei zuschauen. Selbst bei 30°C auf dem Parkplatz ist es oben am Fels angenehm kühl.
Einen Tag ging es auch an den Klassikerfels der Pfalz schlechthin, den Burghaldefels, der Heimat des Magnetfingers, der Trauerflöte und des Fire&Ice. Mein Plan war, ein Blick in das ZEC 8b zu werfen. Leider war das entscheidende Zweiingerloch für meine Finger etwas zu schmal, ich bekam nur die Kuppen hineingepresst (verdammte Wurstfinger). Da gab es aber noch die Kombi White Magic 8a+, eine Verbindung zwischen Fire&Ice und Schlendern ist Luxus. Nachdem ich die Crux von Fire&Ice nach ein wenig probieren wieder drin hatte, gelang mir nach dem ersten auschecken der Züge von White Magic die Tour gleich im zweiten Versuch.
Einer der eher unbekannten Brocken in der Pfalz ist der Dahner Wachtfels, ein kleiner Fels direkt überhalb der Jugendherberge in Dahn. Im September 07 hatte ich dort mal Pampel 8a geklettert, eine kurze Tour mit einem knackigen Untergriffzug. Links neben Pampel gibt es noch Zugzwang, eine 8a+/b mit nur sehr wenigen Begehungen. Ingo Bald hatte einst die ehemalige 9- nach Griffausbruch wieder erstbegehen können und seitdem konnte nur Thomas Leleu ebenfalls die obere schwere Schlüsselstelle knacken. Ich wollte mich dieses Jahr auch mal an Zugzwang probieren und mir die vermutlich 3. Begehung einheimsen. Bis zur Schlüsselstelle im oberen Teil war die Tour soweit kein Problem, die Felsqualität zählt zwar nicht zum besten, was die Pfalz zu bieten hat aber dafür sind die Züge erste Sahne. Die Schlüsselstelle ist ein komplexer Boulder, bei dem man erstmal eine abschüssige Sloperleiste richtig erwischen muss von der man weit und dynamisch in eine kleine Seitleiste ziehen muss. Dann noch ein Kreuzzug auf eine weitere Sloperleiste plus Dazuschnappen, hier heißt es Spannung oder Abflug und dann mit kleinem Zwischengriff zum Tophenkel.
Der Boulder klappte aus dem Hängen eigentlich ganz gut, also ab nach unten und los geht’s mit den Durchstiegsversuchen. Nachdem mein Gehirn am ersten Tag dummerweise die Existenz eines Zwischengriffs verweigert hat, klappte es also nicht mit den Freudenschreien. 2 Tage später wieder dran, diesmal klappte der erste Teil der Schlüsselstelle direkt beim Einhängen der Tour, Dranbleiben also! Die Sloperleiste beim Überkreuzer sandet ein wenig, egal weiter, diesmal aber den Zwischengriff mitnehmen, dachte ich mir noch und als ich ihn hatte, war ich dann auch direkt am Top. Ein gutes Gefühl! Mathias und Sebastian versuchten sich noch an Pampel, als ich ihnen zuschaute, kam mir die Idee, dass es doch keine so schlechte Kombination wäre, wenn man die Schlüsselstellen von Pampel und Zugzwang miteinander verbinden würde. Gesagt, getan. Nach zwei Versuchen hatte ich die Kombi in der Tasche. Ich nannte sie Bull Power in Anlehnung an den bekannten Energydrink, der uns fast immer mit an den Fels begleitet hat. Die Schwierigkeit liegt wohl bei 8b bzw. 10, ist ja praktisch 8a und 8a+/b direkt hintereinander.
Dann wurde es so langsam Zeit für den Retschel, mein persönlicher Deprifels. An dem Stückchen Dach gibt es einen Großteil der schwersten Routen der Pfalz, darunter sehr viele Kombinationen. Es kann halt auch oft vorkommen, dass man den weiten Weg hochlatscht und mit leeren Händen wieder runtergeht, aber das ist ja auch das Leid des Projektierens. Leider kann man Retschel nicht mal schnell noch eine 8er Tour, oder so, klettern die man noch nicht gemacht hat, denn spätestens nach dem 3 Besuch hat mal alles Interessante bis zum persönlichen Limit geklettert und dann bleiben einem nur noch die schweren Projekte.
Mit Sebastian Gerber und Mathias Conrad hatte ich noch 2 gute Freunde, die auch noch die ein oder andere Rechnung mit dem Retschel offen hatten. An Kletterpartnern mangelte es also nicht. Das erste Ziel war Mamba 8a+, eine Kombination, aber doch irgendwie eine eigenständige Linie. Nach ein wenig Tüfteln hatte ich die Züge schnell raus, doch bei den Durchstiegsversuchen wollte die Ausdauer am ersten Tag nicht mehr reichen und die letzten schweren Züge am Ende schmissen mich immer raus. Der Retschel zeigte mir also mal wieder sein fieses Gesicht und ich musste an dem Tag ohne Tour nach Hause. Aber die gute Nachricht war, ich hatte Blut geleckt. Der Ehrgeiz war da, endlich die Touren an dem Brocken abzuhaken. Ich fand bei den folgenden Besuchen sogar eine Nebenbeschäftigung die besser war als dumm zwischen den Versuchen rum zu sitzen, ich schnappte mir die Kamera meiner Freundin und versuchte mich in der hohen Fotokunst. Dabei sind sogar einige ganz gute Bilder entstanden. Mamba machte nur den Anfang, es folgten dann nach einigen Besuchen noch Bespring Mich! 8a+, Hokus Pokus 8a+ und der Gordische Knoten 8a+.
Dann rief leider die Arbeit und es war nicht mehr so viel Zeit da um weiter den Retschel unsicher zu machen. Für kleine Kurzausflüge blieb aber noch etwas Zeit übrig, so konnte ich in dem Sommer noch Baraka 8a in Berdorf (Lux) und den Gorilla Big Block 8a/+ in der Pfalz klettern. Am ersten Boulderwochenende für diesen Herbst, dass wir am San Gottardo Pass verbracht haben, gelang mir eine Begehung von Trieste-Gottardo Fb 8A. Trieste-Gottardo ist DER Boulder des Gebietes, ein freistehender Block auf einer Wiese mit perfektem Panorama, also ein absolutes Must Do. Der Herbst hat also gut begonnen. Die Bouldersaison kann kommen....


















