RED CHILI, Kletterschuhe, Crashpads, Shirts, Sweater

By Stefan Glowazc


Aktuelles

StartseiteExperiences Aktuelles

USA Rock tour

Red Chili Blog, 04.11.2014 _ Fritz Miller und Flo Böbel unterwegs von San Francisco nach Denver, 26.09.–22.10.2014_

Yosemite Valley, Kalifornien. Das beste und bedeutendste Klettergebiet der Welt. Perfekte Felswände, schönes Wetter. Doch als wir zum ersten Mal Hand anlegen, ist es regnerisch und der seltsame Spalt, den wir zum Einklettern ausgesucht haben, sieht nicht gut aus. Flos einzige Zwischensicherung, ein etwas weit geöffneter 5er-Camalot, sieht ein paar feuchte Flechten später einen Sturz der Variante „Arschbombe“. Noch weniger elegant sind meine Bemühungen, in einem viel zu engen Kamin Höhe zu gewinnen… Dann fängt es wieder an zu regnen. Wo sind wir nur gelandet!?

„Take! Take!! Take, motherf****!!!“*

Ok, wir sollten wohl erst mal kleine Brötchen backen. Der El Capitan „East Buttress“ erscheint angemessen. Tatsächlich läuft es diesmal besser, sodass wir bei der Routenauswahl für den nächsten Tag wieder etwas mutiger sind. „It is hard to imagine a more perfect pillar of rock than The Rostrum”, sagt der Kletterführer. Die Route verspricht über acht Seillängen das volle Programm, vom Fingerriss bis zum Kamin, inklusiv zwei dieser ominösen Offwidth-Risse. Wir ziehen unsere Action-Jeans an und machen uns an die Arbeit. Die Schwierigkeiten liegen im 7. und 8. Grad (UIAA). Flo kann sich also voll darauf konzentrieren, der hübschen Belgierin unter ihm Tipps zu geben. Bald laufen wir auf eine amerikanische Seilschaft auf, bestehend aus einer Frau und einem Mann. Beide sind sehr nett, wie alle Amerikaner, die wir bisher getroffen haben. Aber sie können auch anders. Die Frau, gerade im Vorstieg und kurz davor abzuschmieren, will, dass ihr Kletterpartner das Seil strafft. Es geht ihr nicht schnell genug, und nach dreimal „take“ folgt ein sehr böses Wort…

Nach einem halben Tag Pause packen wir unser Zeug und marschieren zum Half Dome, dessen 600 m hohe Nordwestwand zu den begehrtesten Zielen im Valley zählt. Während wir im Dunkeln Richtung Einstieg stolpern, sehen wir schon ein paar Stirnlampen leuchten. Ok, nicht allein, war zu erwarten. Tatsächlich sind es dann aber mit uns sechs Seilschaften, die unter der Wand biwakieren und am nächsten Morgen in die Regular Route einsteigen wollen. Und in der Wand hängen auch welche rum. Erhöhte Staugefahr… Sicherheitshalber starten Flo und ich früh. Etwas überrascht stehen wir mittags schon am Gipfel, nach 6,5 h in der Wand, und blicken nicht nur auf eine absolute Traumroute zurück, sondern auch zuversichtlich Richtung El Capitan, unserem nächsten Ziel.

Great Stau unterm Great Roof

Ruhetag. Wir hängen an den El Cap Meadows rum und verfolgen mit dem Fernglas das Treiben in der „Nose“, der wohl berühmtesten Felsroute der Welt. 900 m steiler Granit, frei geklettert liegen die schwersten 31 Seillängen im 10er-Bereich, aber es geht fast alles auch technisch. Soweit die Fakten. Wie klein man unter den Wänden des El Capitan ist, lässt sich hingegen nur schwer beschreiben… Am nächsten Morgen stehen wir am Einstieg. Endlich. Mein Herz hämmert vor Freude und Aufregung. Ein Ringband gerissen, die Schulter ständig überlastet, viel Arbeit als Bergführer in Eis und Schnee, so sah mein bisheriges Kletterjahr aus. Aber jetzt wird sich gleich alles ändern. Ein letzter Check: Windeln an? Frische Batterien im Herzschrittmacher? Los geht’s! Noch im Dunkeln lassen wir die erste Seilschaft hinter uns, dann ist die Bahn für ein paar Längen frei. Flo und ich nehmen Fahrt auf, und das müssen wir auch, denn alles ist darauf ausgelegt, dass wir am Abend zurück im Tal sind. Warum? Weil es unser Weg ist, leicht und schnell zu klettern, mit hohem Einsatz und möglichst wenig Technik. Kein Haulbag, keine Steigklemmen, nur eine Bandleiter pro Mann, für die schwersten Passagen. Wir ziehen an drei weiteren Seilschaften vorbei, bis es unterm „Great Roof“ zum großen Stau kommt. Jetzt heißt es warten, während die Sonne gnadenlos brennt…
17:25 Uhr, Flo und ich stehen nach knapp 12 h harter Kletterei am Ausstieg der „Nose“. Schmerzen, Durst und Müdigkeit, die mich zuletzt geplagt hatten, sind vergessen. Das Tal liegt friedlich zu unseren Füßen, der Half Dome leuchtet in der Abendsonne. Yeah!

Yosemite valley

„Chickenwing dyno into slot“ – hä???

Washington Columm, „Astroman“, siebte Seillänge. Hier findet sich der wohl meistgehasste Felsspalt des Yosemite Valleys. Der amerikanische Kletterer über uns steckt gerade darin fest und schreit. Man solle dem Spalt mit einem „chickenwing dyno“ begegnen, empfiehlt der Kletterführer. Hä? Ich bin immer noch etwas kaputt vom El Capitan und habe keinen Bock mehr. Flo ist gnädig: Wir seilen ab und machen uns auf den Weg Richtung Osten. Nach einem kurzen Stop in Bishop erreichen wir Las Vegas. Las Vegas ist super. Zuhause ist die Sorge derweil groß, ich könnte zu viel trinken und dann Flo heiraten. Wir bleiben aber weitestgehend anständig und ziehen bald weiter, nach Utah, zu den gewaltigen Sandsteinwänden des Zion Nationalparks. Endlich wieder Natur, endlich wieder klettern! Und die Kletterei ist phantastisch, besonders im berühmten „Moonlight Buttress“ (9/9+, 11 SL, weitestgehend clean). Eine durchgehend freie Begehung scheitert leider an einer sehr speziellen Kaminverschneidung (ca. 8+) im Mittelteil der Route.

Dan

Das nächste Ziel heißt Moab. Peter, ein Kumpel von Flo, stößt zu uns und wir decken uns mit Lebensmitteln ein, für einen längeren Aufenthalt im Rissklettermekka Indian Creek. Dort, auf der Suche nach einem Zeltplatz, treffen wir Dan. Leoparden-Shirt, Sonnenschirm, unheimliche Kletterausrüstung: Dan ist ein rundum schräger Vogel. Aber wir funktionieren bestens als 4er-Team. Wir Jungen steigen die Routen vor, Dan erzählt verrückte Geschichten und fährt auch mal zum Einkaufen in den nächsten Ort. Dann gibt es für uns z. B. destilliertes Wasser (zum Kochen und Trinken), eine Knallpistole (weil er meint, wir seien schon alt genug dafür) und Zigaretten. Wir haben eine coole Zeit in Indian Creek und klettern nebenbei eine Reihe wilder Linien. Flo onsightet z. B. „Ruby’s Cafe“ (9+, clean), ich kann zwei Routen im unteren neunten Grad punkten, darunter das 40 m lange „Desert Shield“ (1 Bolt). Bald werden Ruhetage nötig. Peter, Flo und ich klettern auf den imposanten Castleton Tower (nur drei SL…) und gehen biken. Nach dem rund 50 km langen „Whole Enchilada Trail“ schmerzen die Hände zwar mehr als zuvor, dafür aber an anderen Stellen.

Letzter Stopp Colorado

Wir haben Utah verlassen und sind auf dem Weg zu Dans Trailer, der in einem Vorort von Boulder steht. Dort dürfen wir ein paar Tage bleiben, während Dan noch länger in der Wüste unterwegs ist. Er teilt sich seine Behausung normalerweise mit Moe, ebenfalls Kletterer. Wir klopfen an die Tür. Moe ist zuhause und erklärt uns gleich die Regeln: Wir müssen abends leise sein, weil er früh zur Schule muss. Wir müssen dafür sorgen, dass immer genug Bier da ist. Und wenn wir gepinkelt haben, brauchen wir nicht zu spülen. Ok! Am nächsten Tag gehen wir im Eldorado Canyon klettern, Moe aber nicht in die Schule. Abends erklärt er uns, dass er zu viel getrunken und wirklich keinen Bock hatte. Dumm nur, dass er der Lehrer ist… Ein paar kuriose Geschichten (und gekletterte Routen) später heißt es Abschied nehmen. Wir packen unser Zeug und fahren nach Denver, von wo es Richtung Heimat geht. Im Gepäck unsere durchgescheuerte Ausrüstung, eine Ladung dreckiger Klamotten und jede Menge Eindrücke und Erinnerungen, für die es sich lohnt zu rocken.

Text: Fritz Miller

Der Red Chili – Oktober

Red Chili Blog, 04.11.2014

Was war los im Oktober? Hier erfahrt ihr das Neuste über die Red Chili Welt in unserem monatlichem Update:

Red Chili klettert bis weit nach oben in der Wettkampfszene

Auch wenn die Seilklettersaison sich, Richtung November, hier in Mitteleuropa so langsam dem Ende zuneigt, in der bunten Plastikwelt ging´s wieder ordentlich rund: Bei einem gelungenem deutschem Leadcup im hessischem Darmstadt, konnte unser erst 17 jähriger Athlet Moritz Hans einen starken dritten Platz bei den Herren belegen, was für ihn ein bisheriges Highlight in seiner noch jungen Wettkampfkarriere darstellt. Österreicherin Magdalena Röck war hingegen auf Weltcupreise in Asien unterwegs und holte mal schnell einen vierten Platz beim Weltcup in Mokpo, einen weiterern vierten Platz in Wujiang und einen fünften Platz in Inzai – wir gratulieren und drücken die Daumen für das große Finale in Kranj.

Red Chili an den Felsen der Welt

Rannveig Aamodt hat sich ein paar Monate Zeit genommen, um die vereinigten Staaten unsicher zu machen. Momentan ist sie in Red River Gorge anzutreffen, wo sie uns einige tolle Bilder (Dreamtime Images & Nathan Welton Photography und Rannveig Aamodt) zukommen hat lassen. Mehr Fotos und Infos über Rannveig findet ihr auf ihrer Homepage! Fabian Bechtold konnte kurzen Prozess mit einem verbliebenen Projekt an der Altantiswand machen: Der Boulder schimpft sich „Aeon Fluxx“ und checkt etwa bei Fb 7c+/8a ein. Fabian dürfte sich mit seiner Begehung seit Jahren eine der wohl wenigen Begehungen dieses Boulders geholt haben. Wir hoffen auf einen guten Boulderwinter, für den ihr sicher was bei unserer neuen Herbstkollektion findet!

Robert Jasper genießt außerdem die noch verbliebenen Sonnenstrahlen im italienischen Sizilien und konnte eine schöne neue Multipitch Route am Monte Gallos erstbegehen, die mit ihren 200 Metern bei etwa 7c/+ eincheckt.

Into the light, das neue Meisterwerk von Stefan Glowacz und Chris Sharma

Endlich ist es soweit: Der neue Film von Stefan Glowacz und Chris Sharma, zwei der größten Kletterer ihrer Zeit feierte Premiere in der Münchner BMW Welt. Into the light oder zurück ins Licht erzählt die Geschichte über die Begehung einer der größten Dachklettereien unserer Erde in der Höhle Majlis al Jinn im Oman. Der Film ist auf itunes und Red Bull verfügbar und außerdem können wir euch das wunderschöne dazugehörige Buch ans Herz legen, mit vielen zusätzlichen Gedanken, Bildern und Interviews.

Danke für euer Interesse und bis Dezember, euer Red Chili Team!

Into the Light: Ein einzigartiges Abenteuer feiert Premiere

Red Chili Blog, 20. Oktober 2014

In der Regel wollen Kletterer hoch hinaus. Bei diesem Projekt strebten Stefan Glowacz und Chris Sharma genau das Gegenteil an: Sie sind in die Tiefen der Erde hinabgestiegen, um aus einer der größten Höhlenkammern unseres Planeten, in der Höhle von Majlis al Jinn, wieder an die Oberfläche zu klettern. Eine bahnbrechende Idee und eine noch nie da gewesene Herausforderung – frei und ohne technische Hilfsmittel. Am 5. Oktober wurden Film und Buch in zwei Vorstellungen in der BMW Welt in München über 1000 geladenen Gästen vorgestellt.

In die Höhle, in die problemlos mehrere Verkehrsflugzeuge passen würden, gelangt man über drei eingestürzte Krater – allerdings müssen sich wagemutige Abenteurer dafür gute 160 m in die Tiefen der Erde abseilen. Einen Zugang von der Erdoberfläche gibt es nicht. Der Ausstieg erfolgte über eine von den beiden Athleten selbst ausgearbeitete Route am Dach der Höhle entlang. Die Mission bringt beide an ihre Grenzen. Als einer von ihnen stürzt, droht das Ende der Expedition. Doch sie geben nicht auf.

Beide Kletterer freuen sich über ihre einzigartige Leistung: „Das Klettern in der Höhle von Majlis al Jinn ist ein Wahnsinn“, so Glowacz, der auch Vater von Drillingen ist. „Die Route ist von den einzelnen Zügen und auch vom Kletterstil her einmalig. So eine Tour aus den Tiefen der Erde zurück zur Oberfläche zählt zu den ganz großen Erlebnissen in meinem Leben. Ich bin stolz, dass ich gemeinsam mit Chris diese Route klettern durfte.“ Sharma: „Dieses Projekt stellt einen Meilenstein im Felsklettern dar. Wir wollten eine unvergessliche Route schaffen – und das ist uns gelungen. Ich habe als Kletterer bisher wenige Projekte in Angriff genommen, die so beeindruckend waren wie dieses. Es war eine tolle Erfahrung, zusammen mit Stefan dieses einzigartige Projekt umzusetzen.“


Über den Film:
Dauer 52 Min., TV-Erstausstrahlung: 22.10.2014 / 21.15 Uhr auf ServusTV, danach auf Red Bull TV und auf iTunes verfügbar.

Über das Buch:
168 Seiten – Text Günter Kast, Fotos Klaus Fengler, erschienen im Pantauro Verlag, Zweisprachig Deutsch-Englisch

Der Red Chili – September

Red Chili Blog, 30. September 2014

Was war los im letzten Monat? Hier findet ihr das Neuste aus dem Hause Red Chili vom September!

Was ist alles passiert bei Red Chili? Von nun an bekommt ihr ein monatliches Update hier auf unserem Blog mit allen harten Begehungen, Wettkämpfen und allen anderen Dingen, die für euch aus der Red Chili – Welt interessant sein könnten.

Mittlerweile ist langsam aber sicher der Herbst eingetroffen. Das heißt für euch: Unsere neue Bekleidungskollektion ist endlich in den Läden, kann probiert, gekauft und am besten auch gleich geklettert werden. Es sind wieder außergewöhnlich schöne Sachen mit dabei, die nicht nur zum Klettern gut aussehen!

Auch unsere Athleten haben wieder ordentlich Gas gegeben: Unser 20-jähriger Herzblutboulderer Fabian Bechtold nutzte seine Semesterferien gut aus, konnte in diversen Bouldergebieten viele Boulder bis Fb 8A+ begehen und hat uns einen kleinen Shortclip aus dem bekannten Magic Wood mitgebracht. Wir sind gespannt was noch alles an harten Begehungen dieses Jahr von ihm wartet! Für mehr Informationen schaut doch gerne auf seinem Blog unter www.fabian-bechtold.blogspot.de vorbei

Die Tiroler Maschine Alfons Dornauer war diesen Monat nicht zu stoppen: Nachdem er in seiner Heimat, dem Zillertal, viele der härtesten Routen und Boulder in kürzester Zeit wiederholt hat, konnte er nun Anfang September mit Biologico, nahe dem italienischem Klettermekka Arco seine erste Route in Grad 9a holen. Drei Tage später konnte er auch noch mit “Natural present” 8c/+ nach Hause fahren – wir sind stolz Alfons mit an Board zu haben!

Auch bei den Wettkämpfen hat´s wieder ordentlich gescheppert: Maggie Röck konnte sich mit ihren jungen 20 Jahren den ersten Rockmaster Titel sichern!!! Maggie ist seit 2012 regelmäßig unter den besten 5 Damen der Welt im Lead Klettern anzutreffen und wir können ziemlich sicher sagen: Es ist noch lange nicht Schluss!

Auch ihr zwei Jahre jüngerer Bruder Bernhard stand ihr in nichts nach und konnte nach einem sehr solidem Wettkampf im französischem Noumea den Junioren Weltmeistertitel im Lead mit nach Österreich nehmen. Wir gratulieren den beiden und sind auf kommende Wettkämpfe gespannt!

Herbstzeit ist ja bekanntlich auch Zeit für das größte Volksfest der Welt in München, das Oktoberfest. Stefan Glowacz ließ es sich natürlich nicht nehmen hier vorbeizuschauen! Ihr dürft außerdem auf seinen neuen Film “Into the light”, zusammen mit Chris Sharma gespannt sein, der am Sonntag in der BMW – Welt in München Weltpremiere feiert. In diesem Sinne “ein Prosit” und bis bald,
euer Red Chili – Team

Ines Papert klettert “Ohne Rauch stirbst du auch”

Red Chili Blog, 26. September 2014

————————————————————————————————————————
Ines Papert und Lisi Steurer gelingt am 17.08.2014 bzw. am 28.08.2014 die erste Rotpunkt-Begehung der Route „Ohne Rauch stirbst du auch“ an der Nordwand der Großen Zinne. Der Durchstieg aller 17 Seillängen gelang an einem Tag. Die Erstbegehung realisierten Hannes Pfeifhofer und Daniel Roger im Jahr 2010.
————————————————————————————————————————

Routeninfo: „Ohne Rauch stirbst du auch“, Große Zinne Nordwand, Sextener Dolomiten, Italien; Länge 500 Meter, 17 Seillängen; Schwierigkeit 8a, 7c, 7a+, 6c+, 7b, 6c+, 7a+, 6c, 7a+, 7b+, 6b+, 6a, 6b+, 6c+, 6a, 6a+, 5+

Bereits im Jahr 2010 hatte der südtiroler Bergführer Hannes Pfeifhofer die Route „Ohne Rauch stirbst du auch“ an der Großen Zinne Nordwand in den Sextener Dolomiten entdeckt und erstbegangen. Die Route bildet eine komplett eigenständige Linie durch den schweren linken Teil der Nordwand und besticht durch die exzellente Linienführung mit fast ausschließlich bequemen Standplätzen. Jedoch ist durch den stark überhängenden Fels bis zur zehnten Seillänge mit anhaltenden Schwierigkeiten zu rechnen. Hannes Pfeifhofer hatte die Route „Ohne Rauch stirbst du auch“ offiziell freigegeben, nachdem er selbst alle Seillängen frei klettern konnte. Eine klassische freie Begehung in einem Push stand jedoch noch aus. Das machte auch den Reiz für sie, die beiden Kletterpartnerinnen Ines Papert und Lisi Steurer, aus.

Während TV-Dreharbeiten im Juli diesen Jahres nahmen sie sich der Route erstmals ernsthaft an. Das surrende Geräusch der Drohne, die sie bei ihrem Versuch filmte und meist über oder neben ihnen schwebte sowie die Funksprüche von Regisseur Carsten Gutschmidt ließen sie jedoch daran erinnern, dass sie in diesem Moment in erster Linie hier waren, um einen qualitativ ansprechenden Film zu produzieren. Daher konzentrierten sich die Beiden im Verlauf dieser Woche primär auf die Dreharbeiten des Films. Der Sommer war noch lang und sie hatten sich den halben August für dieses anspruchsvolle Projekt reserviert. Ines’ Sohn Emanuel war zu diesem Zeitpunkt im Spanien-Urlaub, so konnte Ines sich dem Vorhaben mit maximaler Aufmerksamkeit widmen.

Es kam jedoch anders als erwartet. Permanente Regenfälle hielten die Kletterinnen in einem ständigen Wechselbad der Gefühle, denn durch diese wuchs die Begehung zu einer echten Herausforderung heran. Nur an wenigen Tagen dieses Sommers war die Wand trocken. Denn nur, falls an diesen gezählten Tagen der Nordwind wehte, konnten sie sich wirklich sicher sein, dass die teils feinen Strukturen wirklich abgetrocknet waren. Zu den regennassen Tagen gesellten sich zudem sehr niedrige Temperaturen, was den Schwierigkeitsgrad nur erweiterte. Hinzu kam erschwerend, dass Lisi als Bergführerin einige der wenigen Schönwetterfenster für ihren eigentlichen Beruf nutzen musste. Ein ums andere Mal reiste Ines nach Südtirol an, hatte die Hoffnung jedoch beinahe schon verloren, das Projekt in diesem Sommer noch realisieren zu können.

Am Morgen des 17. Augustes herrschten dann aber doch weitgehend ideale Bedingungen und sie wollten es versuchen, wohl in dem Wissen, dass dies möglicherweise ihre letzte gemeinsame Chance sein sollte. Beim Losen um den Vorstieg gewann Ines und so standen sie morgens um halb sieben mit klammen Fingern am Einstieg. Das Thermometer zeigte gerade einmal drei Grad unter Null an, trotz des sommerlichen Monats war es eisig. Nach einer kurzen Aufwärmphase in den ersten Metern kletterte Ines sturzfrei über die 1. Seillänge, die Schlüssellänge 8a. Es würde also weiter gehen für das Team in Richtung Gipfel. Seillänge für Seillänge wollte Ines die Route begehen, Meter für Meter. Über das gigantische Ausmaß der schattigen Nordwand wollten beide nicht nachdenken. Dann ein kleiner Fehler in der 2. Seillänge! Ines stürzte ins Seil, begann jedoch sofort von Neuem von ihrem Standplatz aus den Durchstieg – diesmal sollte es gelingen. Von da an gelang ihr jede Seillänge fehlerfrei, die Schwierigkeiten lagen dabei eindeutig, kontinuierlich die Finger warm zu halten. Das Zwischenziel war definitiv der 11. Standplatz: Denn hier war neben dem Wandbuch auch eine Flasche Schnaps für Wiederholer deponiert. Bis zu ihrer Ankunft war diese noch randvoll – schon wurden die Temperaturen erträglicher!

Um 17.30 Uhr erreichte Ines dann endlich das Ringband. Der freie Durchstieg war ihr gelungen, sie konnte es kaum glauben! In den verbleibenden drei Tagen wollte sich Ines nun ihrer Freundin Lisi widmen, welche sich weiterhin im Vorstieg versuchte. Doch das Wetter sollte erneut umschlagen und Ines hatte zum 14. Geburtstages ihres Sohnes abzureisen, um nach Spanien zu fliegen. Emanuel erwartete seine Mutter schon sehnsüchtig nahe Bilbao, die Familie sollte für den Rest der Sommerferien absolute Priorität haben. Wäre Ines der Durchstieg an jenem 17. August nicht gelungen, hätte die Kletterin und Alpinistin das Vorhaben um ein Jahr verschieben müssen. So konnte sie sich mit gemischten Gefühlen in die wohlverdienten Ferien verabschieden. Aber für Lisi sollte es als „Local” kein Problem darstellen, in ihrem großen Freundeskreis in Südtirol einen Partner für den Durchstieg zu finden. Ein weiterer Versuch mit Gery Unterassinger sollte jedoch an den nassen Wandverhältnissen scheitern.

Am 28. August wollte Lisi einen erneuten Versuch starten, diesmal mit ihrem Freund Felix Tschurtschenthaler. Auch diesmal war es kaum wärmer als schon am erfolgreichen 17. August. Doch Felix tat sein bestes, um Lisi zu unterstützen und zu ermutigen, nicht den Glauben an sich zu verlieren. Mit seiner Überzeugungskraft und ihrem Durchhaltevermögen konnte Lisi dann tatsächlich – nach einem Sturz in der 1. und 2. Seillänge, die sie jeweils wiederholte – alle Seillängen punkten. Als Ines die Nachricht über den erfolgreichen Durchstieg am nächsten Morgen in Spanien erreichte, war diese mehr als glücklich und freute sich für die Freundin. Nichts hatten die Beiden sich mehr gewünscht, als gemeinsam das Projekt noch in diesem Jahr erfolgreich abzuschließen! Nachträglich lässt sich zu ihrem Vorhaben anmerken, dass die Schwierigkeiten der Route „Ohne Rauch stirbst du auch“ nicht extraorbitant hoch sind und sie aus diesem Grund ihr Projekt möglicherweise ein wenig zu leger angegangen sind. Die Große Zinne Nordwand verlangt die volle Aufmerksamkeit eines Kletterers und lässt sich weder zwischen Tür und Angel, zwischen Job und Verpflichtungen noch zwischen einem Wettertief und dem Nächsten schnell erobern. Für ein solches Projekt müssen jegliche Bedingungen stimmen und perfekt sein, so sind sie nun umso glücklicher, ihrVorhaben realisiert zu haben – beide!

Ihre nächste Reise soll nun nach Marokko in den hohen Atlas gehen. Ab Ende Oktober werden sie sich an der freien Begehung ihrer gemeinsamen Erstbegehung „AZAZAR“ im Jahr 2013 in Taghia versuchen.
Sie danken ihrem gemeinsamen Sponsor Arc´teryx dafür, dass der Glaube an sie nicht aufgegeben wurde und sie bei ihrem Projekt in der Großen Zinne Nordwand nicht erfroren sind;)

Fotos: Frank Kretschmann (Wand), Franz Walter (Gipfel) und Michi Wohlleben (Team in der Wand- aus der Ferne)

Text: Lisa Lindner

notextile.

Weiter zum Weblog-Archiv